Ausstellung

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Interaktives Ausstellungsprojekt
9.–29. Jänner 2014
ÖFFNUNGSZEITEN:
Mo–Fr: 13–21 Uhr
Sa und So: 11–18 Uhr
Franz-Josefs-Kai 3
1010 Wien
FÜHRUNGEN:
Jeden Mittwoch um 19 Uhr
Jeden Sonntag um 13 Uhr
Eintritt frei

Idee und Konzept: Tina Zickler
Fotos: Lisa Rastl

Von 1899 bis 1938 hat die jüdische Firma Brüder Schwadron in Wien viele Zinshäuser und öffentliche Gebäude mit baukeramischen Arbeiten ausgestattet. Ziel des Ausstellungsprojekts ist es, die im Verschwinden begriffenen Spuren des Unternehmens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken – eine künstlerische Intervention wider das Vergessen.

Es ist eine einmalige – fast historische  – Chance das Ausstellungsprojekt „Brüder Schwadron: call to mind“ in den großzügigen Räumen am Franz-Josefs-Kai 3 zu präsentieren. Denn das Unternehmen residierte ab 1905 in ebendiesem Gebäude, das vom Architekten Julius Goldschläger entworfen und geplant wurde. Die Fliesen-Decke im ersten Raum erinnert noch heute an die Brüder Schwadron und wird Teil der Präsentation sein.

In Vorbereitung des Projekts wurde intensiv recherchiert – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – und eine subjektive Auswahl an privaten Häusern getroffen, um den konzeptuellen Ansatz der Präsentation ästhetisch zu verdichten. Im Fokus der Ausstellung stehen 20 Wiener Zinshäuser, deren Vestibüle von den Brüdern Schwadron baukeramisch gestaltet wurden, d.h. die Fußböden und/oder die Wandverfliesungen wurden von der Firma ausgeführt. Der fotografische Blick darauf ist jedoch keineswegs rein dokumentarisch, sondern gilt auch den architektonischen Eingriffen und ästhetischen Brüchen um die „Fundstellen“ herum. Viele der Vestibüle sind von bestechender handwerklicher Qualität und das Zusammenwirken der Fliesen mit der Gestaltung der Haustüren, Lüster, Aufzugskabinen und Fenstern im Stiegenhaus ergibt eine einmalige Atmosphäre – es sind Gesamtkunstwerke. In anderen Hauseingängen offenbart sich der Zahn der Zeit und die Fliesen zeigen massive Gebrauchsspuren, d.h. sie sind teilweise beschädigt und wurden bisweilen wenig feinfühlig ergänzt. Häufig wurden einzelne Elemente der Vestibüle wie beispielsweise die Lampen verändert und durch qualitativ minderwertige Beleuchtungskörpern ersetzt – von weiteren architektonischen Eingriffen ganz zu schweigen.

Darüber hinaus zeigt das Ausstellungsprojekt eine Bildstrecke von öffentlichen Gebäuden, die nachweislich von der Firma Brüder Schwadron ausgestattet wurden: Amalienbad, Wirtschaftskammer, Café Schwarzenberg, Gasthaus Reinthaler sowie das größte Fass im Kaiserlichen Weinkeller. Auf diese Weise wird dem mannigfaltigen Wirkungskreis des Unternehmens Rechnung getragen und ihr Beitrag zur Blüte des Kunsthandwerks zwischen Späthistorismus und Jugendstil gewürdigt.

Im dritten Teil der Präsentation wird es eine interaktive Raumskulptur geben, die den Titel des Projekts „Brüder Schwadron: call to mind“ einlöst und als soziale Plastik im Sinne Joseph Beuys zu deuten ist. Bereits im Vorfeld der Ausstellung sind die Wienerinnen und Wiener ausdrücklich zur Partizipation aufgefordert, d.h. Fotos ihres persönlichen Umfelds, das Spuren des Schwadronschen Wirkens zeigt, per Email einzureichen: » Scout werden
Die eingereichten Fotos werden namentlich und unter Nennung des Fundorts in die Raumskulptur – einen Archivkörper – integriert. Berücksichtigt werden dabei sowohl Fotos, welche die Besucher inspiriert durch das Ausstellungsprojekt an ihren Wohn- oder Arbeitsorten aufnehmen werden, als auch historisches Bildmaterial, das eingereicht werden kann.

Auch die Gestaltung der Website zum Projekt trägt der Idee der Partizipation Rechnung, d.h. diese Plattform wird nach Ablauf der Ausstellung (9. bis 29. Jänner 2014) kontinuierlich weiterentwickelt und durch das Bildmaterial der Besucher ergänzt und erweitert. Es wird damit gerechnet, dass etliche historisch relevante Hinweise zur Firmen- und Familiengeschichte im Vorfeld und im Zuge der Präsentation auftauchen werden – eventuell auch das bis dato verschwundene Archiv des Unternehmens.